Statista: Die meisten Berufstätigen verfügen lediglich über Halbwissen zu Digitalisierung

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Die Digitalisierung ist der zentrale Treiber für Innovationen und den Wandel der Arbeitswelt. Doch es fehlt am Wissen.

In Kooperation zwischen Accenture Strategy, XING und Statista wurden rund 5.000 Berufstätige im deutschsprachigen Raum zum Stand der Digitalisierung ihrer Arbeitswelt befragt. Die Mehrheit der Arbeitnehmer fühlt sich gut auf die Digitalisierung vorbereitet, tatsächlich sind jedoch lediglich die Themen „Cloud“ und „Big Data & Analytics“ bereits im Berufsalltag angekommen. Nur die wenigsten Berufstätigen wenden neue, digitale Technologien tatsächlich an, während die Arbeitgeber auf kurzfristige Lösungen statt tiefgreifende Veränderungen setzen. Die Studie steht hier auf Deutsch und Englisch zum Download zur Verfügung.

Den Wissensarbeitern, also den gut ausgebildeten Fachkräften in den Unternehmen, kommt bei der Digitalisierung eine besondere Vorreiterrolle zu. Daher sollte man davon ausgehen, dass Unternehmen ihre Kompetenzen in diesem Schlüsselbereich fördern und umfassende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Die Realität sieht jedoch anders aus. Accenture Strategy und XING haben in Kooperation mit Statista rund 5.000 Berufstätige aus dem XING-Netzwerk aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Stand der Digitalisierung ihrer Arbeitswelt befragt. Die zentrale Erkenntnis: Die meisten digitalen Technologien sind den Befragten theoretisch bekannt, werden allerdings nicht praktisch angewendet.

Die Mehrheit der Arbeitnehmer fühlt sich gut auf die Digitalisierung vorbereitet

Das Positive zuerst: 54 Prozent der Befragten bewerten die Bemühungen zur Vorbereitung auf die Digitalisierung seitens ihres Arbeitgebers als positiv. 29 Prozent stehen diesen Anstrengungen neutral gegenüber und nur 17 Prozent stellen ihrem Arbeitgeber ein mangelhaftes Zeugnis aus. Vorreiter in diesem Feld sind Startup-Unternehmen, deren Angestellte sich sogar zu 62 Prozent gut auf die Digitalisierung vorbereitet fühlen, während Konzern-Mitarbeiter mit 58 Prozent knapp dahinter rangieren. Auf dem letzten Platz dieses Rankings finden sich Mittelständler wieder – dort sehen nur 48 Prozent der Mitarbeiter ihre Arbeitgeber im Soll. Auch bei den Branchen zeigen sich spannende Unterschiede: Branchen, die beruflich stärker von der Digitalisierung betroffen sind, zeichnen sich durch eine im Schnitt deutlich positivere Beurteilung der Arbeitgeber aus. Die Internet- und IT-Branche steht mit 73 Prozent an der Spitze, gefolgt von Beratungs- und Telekommunikationsunternehmen (70, respektive 66 Prozent). Die hinteren Plätze belegen der Maschinenbau mit 42 Prozent, die Konsumgüterbranche mit 38 Prozent und der Sektor „Gesundheit und Soziales“ mit 36 Prozent.

Lediglich „Cloud“ sowie „Big Data & Analytics“ sind bereits im Berufsalltag angekommen

Bisher haben digitale Technologien die Arbeit von Fachkräften nur bedingt durchdrungen. Das zeigen die Ergebnisse der Befragung sehr deutlich. Gefragt nach der Bedeutung von ausgewählten Trends stuften die Befragten im Schnitt nur „Cloud“ und „Big Data & Analytics“ als „relevant“ für ihre tägliche Arbeit ein. Geteilter Meinung sind die befragten XING-Nutzer bei der Bewertung von „Künstlicher Intelligenz“ und dem „Internet der Dinge“ – diese Technologien werden im Schnitt als „bedingt relevant“ eingestuft und spielen offenbar nur für einen Teil der Befragten bereits eine wichtige Rolle. Auf den hinteren Plätzen rangieren Anwendungen wie „Robotics“, „Virtual & Augmented Reality“, „Voice Control“, „3D-Druck“ und „Blockchain“, die durchschnittlich als „nicht relevant“ eingestuft werden. Dass die genannten Technologien für einzelne Berufsgruppen durchaus eine hohe Relevanz haben, ist dadurch selbstverständlich nicht ausgeschlossen. Dr. Moritz Hagenmüller, Managing Director Accenture Strategy, erläutert: „Es lässt sich erkennen, dass den Themen die größte Relevanz zugeschrieben wird, die geradezu über alle Funktionen und Branchen hinweg anwendbar sind. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Digitalisierung den Alltag vieler Arbeitnehmer noch gar nicht richtig berührt. Während das bei speziellen Technologien noch angehen mag, ist das bei den großen Themen wie ‚Big Data‘ und ‚Künstlicher Intelligenz‘ schon ein größeres Problem. Um sich für die Zukunft zu wappnen müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen zukunftsfähig aufstellen.“ Immerhin scheinen sich die Berufstätigen der anstehenden Veränderungen bewusst zu sein. Während die Befragten sämtlichen genannten Technologien eine steigende Relevanz zutrauen, sehen sie für „Big Data & Analytics“ sowie „Künstlicher Intelligenz“ das größte Potenzial für eine noch höhere Relevanzsteigerung in der näheren Zukunft von drei bis fünf Jahren.

Nur die wenigsten Berufstätigen wenden relevante digitale Technologien tatsächlich an

Eine Vertrautheit mit den Begrifflichkeiten der Digitalisierung heißt noch nicht, dass die Befragten, bei denen es sich überwiegend um „Wissensarbeiter“ handeln dürfte, tatsächlich über praktische Kenntnisse mit den Technologien verfügen. Im Gegenteil: Die Befragten offenbaren lediglich Halbwissen. Bis auf „Cloud“ und „Big Data & Analytics“ hat immer nur eine Minderheit der Befragten die entsprechenden Technologien überhaupt schon einmal genutzt. Die größte Kompetenzlücke besteht im Fall der „Blockchain“-Technologie – nur 12 Prozent der Befragten haben sie schon einmal angewendet. Lediglich 17 Prozent können konkrete Erfahrungen im Umgang mit Robotern vorweisen, 19 Prozent mit „3D-Druck“ und mit „Künstlicher Intelligenz“ haben sich erst 28 Prozent praktisch auseinandergesetzt. Während die Befragten diesen Schlüsseltechnologien eine steigende Relevanz für die Zukunft bescheinigen, besteht schon in der Gegenwart eine große Kompetenzlücke, die weiter anzuwachsen droht. Wenn man diese Kompetenzlücken auf einzelne Funktionen in Unternehmen herunterbricht, haben besonders Mitarbeiter im „Vertrieb und Handel“ sowie  „Personalwesen“ Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.

Arbeitgeber setzen auf kurzfristige Lösungen anstatt tiefgreifender Veränderungen

Wie reagieren Unternehmen auf diese Herausforderung? Die Studie zeigt, dass die Befragten durchaus mit den Bemühungen ihres Arbeitsgebers zufrieden sind, Rahmenbedingungen für die Anwendung digitaler Technologien und neuer Arbeitsformen zu schaffen. Die Unternehmen beschränken sich jedoch mehrheitlich auf schnell umsetzbare Maßnahmen wie das Bereitstellen von mobiler Hardware, die immerhin 83 Prozent der Befragten von ihren Arbeitgebern erhalten. Nur rund die Hälfte der Befragten kann bei ihrem Arbeitgeber auch von Ausstattung zum kreativen Arbeiten (55 Prozent) oder gar von agilen Teamstrukturen (45 Prozent) profitieren. Immerhin bei 45 Prozent der Befragten sind digitale Kollaborationstools im Einsatz. Auffällig ist, dass nur 18 Prozent der befragten Teilnehmer angeben, Anerkennung bei der Anwendung neuer Technologien und digitaler Trends zu erhalten. „Oft wird beim Thema ‚Digitalisierung‘ an Technik gedacht. Die kulturellen Implikationen werden eher wenig berücksichtigt. Dabei gehört unserer Erfahrung nach beides eng miteinander verzahnt, um nachhaltig erfolgreich zu sein“, so Marc-Sven Kopka, Vice President External Affairs XING.

Interne und externe Arbeitgeberunterstützung lässt digitale Vorreiter entstehen 

Wodurch zeichnen sich sogenannte „Digital Champions“ aus? Diese Arbeitnehmer nutzen digitale Technologien und Arbeitsmethoden in hohem Maße, verfügen im Vergleich zum Durchschnitt über deutlich ausgeprägtere, digitale Kompetenzen und sind in diesem Fall zurecht zufriedener mit der Vorbereitung auf die Herausforderungen der Digitalisierung.

Betrachtet man die Eigenschaften dieser „Digital Champions“ so wird deutlich, dass auch die Vorbereitung auf den Wandel der Arbeitswelt insbesondere eine Kulturfrage ist: Digitalen Vorreitern werden überdurchschnittlich stark Möglichkeiten zur internen und externen Kollaboration sowie Zugang zu Expertennetzwerken geboten. Zusätzlich erkennen die Führungskräfte dieser digitalen Vorreiter nicht nur die Anwendung von zukunftsweisenden Arbeitsmethoden und Technologien positiv an – sie fordern die Anwendung auch aktiv ein und leben die Arbeitsweisen vor.

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