Wandel erfolgreich gestalten: Führung in der IT im digitalen Zeitalter

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Ein persönliches Postulat für Realismus und authentische Führung

Müssen wir uns erst darauf einigen, dass sich die IT in immer schnelleren Wandlungsprozessen befindet? Ich denke nicht. Obgleich keine Binsenweisheit, da durchaus Unterschiede zwischen IT-Dienstleistern, Distributoren, Technologieherstellern und nicht zuletzt IT-Abteilungen in Unternehmen und Organisationen ausgemacht werden können, ist doch offensichtlich, dass die digitale Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft die IT-Branche durcheinander wirbelt.

Für beinahe alle Unternehmen der obigen Aufzählung, geht dies mit teilweise schmerzhaften Change Prozessen einher. Neue Technologien müssen adaptiert und alte Zöpfe abgeschnitten werden. Teams werden neue zusammengestellt und neue Hierarchien etablieren sich. Führungskräfte in der IT stehen daher bereits jetzt und noch verstärkt in der kommenden Dekade vor immensen Herausforderungen, diesen Wandel einerseits zu moderieren und zugleich zu gestalten.

Ich bin seit fast 10 Jahren in der IT- und Digitalbranche tätig und habe die rasanten Veränderungen stets in verantwortlichen Positionen erlebt, begleitet, angestoßen und nicht zuletzt zur gelebten Realität werden lassen. Die folgenden drei Lehren habe ich für mich ganz persönlich daraus gezogen – und ich möchte euch gerne zu einer offenen Diskussion darüber einladen.

Was wir von Fußballtrainern über Change Management lernen können

Ich nutze gerne das Bildnis des Fußballtrainers, der inmitten einer laufenden Saison ein neues Team übernimmt. Meist passiert dies in Zeiten, die sowohl von der Mannschaft als auch von den Verantwortlichen des Vereins als krisenhaft erlebt werden. Kurzum: Ein neuer Trainer kommt immer dann, wenn es nicht mehr so gut läuft. Auch Führungskräfte in der IT kennen dies nur zu gut. Viele CTOs, CIOs und CDOs werden explizit deshalb in Unternehmen gerufen, um Veränderungsprozesse in der IT des Unternehmens aktiv voranzutreiben. Neue Anforderungen, neue Gegner mit innovativer Taktik und eine Mannschaft, die noch vom Vor-Vorgänger zusammengestellt wurde – die Parallelen sind offensichtlich.

Unser Trainer hat nun ein bestimmtes Konzept bzw. eine Spielidee, die er in seinen Mannschaften gerne verwirklichen möchte – beispielsweise ein offensives 3-4-3 mit Mittelfeldraute, zwei Flügelstürmern und einem zentralen Stoßstürmer. Von diesem Konzept verspricht er sich grundsätzlich am meisten Erfolg und es steht obendrein für attraktiven, offensiven Fußball, den Manager wie Zuschauer gleichermaßen sehen möchten.

Werfen wir einen Blick auf die Mannschaft: Diese besteht in unserem Bild aus einem Torwart, 4 Verteidigern, 4 Mittelfeldspielern und zwei eher kleingewachsenen Stürmern. Was tun?

Es gibt Trainer, die nun dennoch auf das 3-4-3 System setzen und versuchen, die Positionen einigermaßen sinnvoll aus dem vorhandenen Kader zu besetzen. Die Erfahrung zeigt: Damit kommt in den seltensten Fällen der Erfolg zurück. Vielmehr sollten wir unser Team so einsetzen, dass kurzfristig Erfolge möglich sind, ein Spiel „auch mal dreckig gewonnen wird“ und wir uns endlich von den Abstiegsrängen entfernen. Fazit Nummer 1:

Setze dein Team so ein, dass die individuellen Fähigkeiten am effektivsten genutzt werden.

Fachkompetenz ist nicht zu ersetzen – Sei ein Coach!

Natürlich ist mit dieser Taktik eine mittelfristige Entwicklung des Teams nicht möglich. Deshalb gilt: Training ist das A und O. Nutze jede freie Minute und bringe deinem Team die wichtigen neuen Inhalte näher. Gib Ihnen die Chance, neue Spielzüge und Rollen in Trainingsspielen auszuprobieren.

Meine Erfahrungen der vergangenen Jahre haben mir gezeigt: Führungskräfte ohne fachliche (Digital-)Kompetenz stehen in Zeiten der digitalen Transformation ganzer Wertschöpfungsmodelle oftmals auf verlorenem Posten. Ein Fußballtrainer ohne die leiseste Ahnung von Spielsystemen, wird keinen Erfolg haben – und sei er noch so gut in Motivation und Ansprache. Gleiches gilt für Manager und Geschäftsführer: Ohne ein tiefes Verständnis davon, welche Kenntnisse und Kompetenzen das Unternehmen in Zeiten des Wandels und der Disruption benötigt, stehen die Chancen gut, den falschen Trainer zu verpflichten.

Ein Coach muss vorangehen, Dinge zeigen können und auch als fachlicher Ansprechpartner in seinem Team überzeugen. Vor allem aber muss ein Coach die Bereitschaft zur täglichen Arbeit gemeinsam mit seinem Team haben. Die Zeiten abgehobener Führung durch noch abgehobenere Manager sind vorbei. Autorität erwächst heute durch Kompetenz und Authentizität. Fazit Nummer 2:

Coache dein Team und gib selbst das beste Beispiel vor – lead by example.

Führung muss authentisch sein

Dieser Punkt ist mir persönlich am wichtigsten: Verstell dich nicht – vor allem nicht in deiner Kommunikation! Die digitale Transformation hat nicht zuletzt auch zu einer großen Vielfalt an modernen, digitalen Kommunikationstools geführt. In vielen Unternehmen werden von Vorstand und Geschäftsführung heute Chats, Online-Meetings, sogar (Video-)Podcasts erwartet. Wenn du dich schon lange von der Email oder einem „klassischen“ Mitarbeitermagazin verabschiedet hast und du dich im digitalen Raum wohlfühlst – umso besser. Wenn nicht: Lass es sein!

Deine MitarbeiterInnen werden schnell spüren, ob du dich zum Beispiel vor einer Kamera wohlfühlst und „live“ die passenden Worte findest oder doch lieber ein Wochenende über einem Grußwort für den Rundbrief „brütest“. Entsprechend werden Sie deine Worte als authentisch und wahr ansehen oder nicht. In Zeiten des steten Wandels ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, dass du deine Teams mit deiner Kommunikation glaubhaft erreichst. Für dich gilt wie für dein Team: Setze jetzt auf deine Stärken und trainiere deine Defizite für die Zukunft.

Vorsicht: Authentische Führung ist eine Kunst in sich selbst. Es bedeutet keineswegs einen Freibrief für Choleriker und Alpha-Tiere der „alten Schule“. Ich habe bereits oben deutlich gemacht, dass Autorität heute aus Kompetenz, Teamstärke und fachlichem Respekt erwächst. Fazit Nummer 3:

Sei auch als Führungskraft du selbst und versuche nicht zu sein, was du nicht bist!

Ich denke grundsätzlich, dass das Konzept des „authentic leadership“ in den nächsten Jahren massiv an Bedeutung gewinnen wird. Falls Ihr Interesse an einem Austausch rund um dieses Thema habt, findet Ihr mich auf LinkedIN.